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Interne Public Relations der Siemens AG

 

Das Zeitalter der Industriellen Revolution führt nicht nur zu erfolgreichen Erfindungen und technischen Erneuerungen, sondern auch zur Herausbildung der so genannten „sozialen Frage“. Mit der Entstehung der Arbeiterbewegung und dem Aufkommen von Gewerkschaften suchen daher Konzerne wie Siemens nach Mitteln, um der Unzufriedenheit sowie den Aufständen innerhalb der Arbeiterschaft Herr werden zu können. Darüber hinaus muss die Belegschaft als ständig wachsende Teilöffentlichkeit über Ziele und Entwicklungen im Unternehmen unterrichtet werden. Es ist die Geburtsstunde typischer Instrumente interner Public Relations.

 

Werner von Siemens erkennt bereits früh die Bedeutung interner PR-Maßnahmen, um bei seiner Belegschaft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, einen „Korpsgeist“, entstehen zu lassen, was sich nicht zuletzt in steter Loyalität seiner Arbeiter zum Unternehmen und somit der Abwendung von Streiks auszahlen soll. Dieser Unternehmensstil des „liberalen Patriarchalismus“ basiert einerseits auf Fürsorge und persönlicher Präsenz in den Betrieben, andererseits auf Wahrung der Unternehmerautorität.

 

Bedingt durch die Firmenexpansion rückt die persönliche Beziehungspflege mit den Mitarbeitern allmählich in den Hintergrund. Die Streikbewegung 1904-1906 führt schließlich zu einer Umorientierung, in der Wilhelm von Siemens die Arbeitnehmer durch eine intensivierte, auf die privaten Lebensverhältnisse bezogene antigewerkschaftliche Sozialpolitik zu binden versucht. Erste speziell für die betriebliche Sozial- bzw. Wohlfahrtspolitik zuständige Gremien entstehen.

 

In einer dritten Phase setzt Carl Friedrich von Siemens nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, auch im Hinblick auf veränderte wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedingungen, auf eine Integration der Arbeiter durch bewusste Sozialpartnerschaft und Kooperation.

 

Zu den typischen Instrumenten interner Public Relations bei Siemens zählen die Mitarbeiter- oder damals Werkszeitung, ebenso werden Einrichtungen gegründet, die für das gesundheitliche Wohlergehen, Altersfürsorge sowie Aus- und Weiterbildung sorgen. Dazu gehören u. a. Kantinen, Arztpraxen und Kliniken, Arbeiterwohnungen, Säuglingskrippen und Kindergärten oder Werksschulen. Freizeit- und Kulturangebote, wie die Einrichtung von Lesezimmern, sowie organisierter Betriebssport oder Betriebsausflüge, werden ins Leben gerufen. 1906 erfolgt die Gründung eines „Unterstützungsvereins“, der sich zum größten „gelben“ oder „wirtschaftsfriedlichen“ Werkverein Deutschlands entwickelt und als Integrationsinstrument die Gefahr von Streiks und Aufruhr im Siemens-Konzern eindämmen soll. Des Weiteren sucht der Konzern durch gezielte Gewinnbeteiligung und ein ausgefeiltes Prämienwesen seine Mitarbeiter zu binden. 1852 wird eine firmeninterne Krankenversicherung eingeführt. Bereits 1872, 17 Jahre vor Erlass staatlicher Sozialversicherungsgesetze, werden bei Siemens Pensions-, Witwen- und Waisenrenten gewährt. Seit 1908 existiert eine Siemens-Betriebskrankenkasse, die 1922 auch für Familienangehörige ausgeweitet wird. All diese Institutionen sind Vorläufer moderner sozialer Absicherungssysteme und hatten einen wichtigen Anteil bei der Verbesserung der Gesundheits- und Familienfürsorge innerhalb der Siemens-Belegschaft.