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Insgesamt veröffentlicht die WAAGE 149 Anzeigen, drei Plakate, zwei Broschüren und fünf Kinofilme. Haupt-Kommunikationsmittel des Vereins sind Zeitungsinserate. Um Synergie-Effekte zu erzielen werden die Anzeigen in 29 Serien von bis zu zehn Motiven gestreut. Von ihrer Gestaltung her erinnern sie an die typische Markenartikelwerbung. Inseriert wird vor allem in der meinungsbildenden, überregionalen Tagespresse, aber auch in Nachrichtenmagazinen, Illustrierten und Frauenzeitschriften. Obwohl die Kampagne diverse sozialpolitische Themen aufgreift, geht es im Grunde stets darum, die Errungenschaften der Sozialen Marktwirtschaft gegenüber den Hungerjahren der Nachkriegszeit und im Vergleich mit der sozialistischen Planwirtschaft herauszustellen. Auch das Erscheinungsbild der Anzeigen ist recht einheitlich: Während Illustrationen die Menschen emotional ansprechen, liefert der Text die rationalen Argumente. 1953 entwickelt man das Markenzeichen der Kampagne: das Figurenpaar „Fritz und Otto“. Die meisten Anzeigen werden als Dialogserien in Form von Streitgesprächen zwischen diesen beiden Protagonisten gestaltet. Otto, abgeleitet von „Otto Normalverbraucher“, verkörpert den durchschnittlichen Arbeiter, der Politik, Unternehmern und der Sozialen Marktwirtschaft kritisch gegenüber steht. Fritz, aufgrund mangelnder Alternative abgeleitet vom stellvertretenden Vorsitzenden Fritz Jacobi, ist der Befürworter der Sozialen Marktwirtschaft, derjenige, der rational, abseits von Stammtischparolen, über politische und wirtschaftliche Sachverhalte nachdenkt. Diese Anzeigen haben nachweislich den größten Erfolg, weil sie es schaffen, die komplexen Themen für die Bürger verständlich aufzubereiten.

Von den drei Plakaten der WAAGE erreicht nur das erste aus dem Jahr 1953 größere Aufmerksamkeit, es erinnert an die Bezugsscheine der unmittelbaren Nachkriegszeit. Zusätzliche Informationen liefern Broschüren und Filme. Die Broschüren haben einen erzieherischen Auftrag und sind insbesondere für Multiplikatoren, beispielsweise Lehrer oder Journalisten, gedacht. Aus finanziellen Gründen werden sie bald zugunsten von Kinofilmen vernachlässigt. Von den fünf Filmen der WAAGE enthalten die Schwarz-Weiß-Filme der Jahre 1953 und 1954 kurze Dialogszenen aus den „Fritz und Otto“-Anzeigen. Die letzten beiden WAAGE-Filme von 1957 und 1960 sind farbige Zeichentrickfilme, von denen der Loriotfilm, der die Zielgruppe der Facharbeiter anspricht, didaktisch wie ästhetisch als Höhepunkt der WAAGE-Produktion gilt.

Insgesamt orientiert sich die Produktion der WAAGE an der damaligen Wirtschaftswerbung, ist aber auch selbst stilbildend. Die Gestaltung durch die Agentur Brose wird in Fachkreisen vielfach gelobt und nachgeahmt.