Home > Instrumente/Kampagnen > Kampagne - Die Waage > Organisation und Finanzierung >  Zusatzinformationen

In dem Verein organisieren sich vor allem solche Organisationen, die generell an werbliche Überzeugungsarbeit glauben, wie Markenartikler und die moderne Chemieindustrie, die von wirkungsvoller Wirtschaftswerbung abhängig waren. Wer aber in welcher Form im WAAGE-Verein aktiv oder mit diesem verbunden ist, bleibt für Außenstehende unsichtbar. Den Kern bilden die Unternehmer, die durch ihre finanzielle Unterstützung den Verein unterhalten. Darüber ist eine Gruppe Wirtschafts- und marketingtheoretischer Fachleute, darunter auch PR-Vordenker, wie H.W.F. Kropff, Herbert Gross oder Hans Domizlaff, angesiedelt. Dazu kamen Verbindungsleute aus Verwaltung und Industrie, die die Anbindung an politische Entscheidungsträger garantieren. Von besonderer Bedeutung für den Verein ist auch der damalige Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, der als Imageträger und Markenzeichen fungiert.

Unverzichtbar für Konzeption und Gestaltung der Kampagne ist die enge Zusammenarbeit des Vereinsvorstandes mit der Gesellschaft für Gemeinschaftswerbung (GfG) von Hanns W. Brose. Neben der inhaltlich-konzeptionellen Arbeit, gehört zu den Aufgaben der Agentur auch die Auswahl geeigneter Kommunikationsmittel sowie deren Streuung und Schaltung in den Medien. Die Kampagne basiert zudem auf den Umfrageergebnissen und Werbewirkungskontrollen verschiedener Meinungsforschungsinstitute, hauptsächlich denen des Institutes für Demoskopie in Allensbach.

Ebenso wie die Initiatoren kaum sichtbar sind, ist auch die Finanzierung der WAAGE intransparent. Diese besteht zum größten Teil aus Geldspenden der Förderer, die diese als Betriebsausgaben deklarieren und sie so als Wirtschaftswerbung steuerlich absetzen können. In dieser Form ist es der Waage möglich, weitaus mehr finanzielle Mittel zu akquirieren als dies über Spendengelder möglich gewesen wäre. Die Beträge gehen deswegen nicht direkt an den Verein, sondern zunächst an die Werbeagentur Brose. Unternehmer, die hier ohnehin schon Kunde sind, können nun über ihre eigenen Werberechungen problemlos WAAGE-Anzeigen mitfinanzieren. Das Finanzministerium sieht großzügig über diesen Missstand hinweg, vermutlich weil Freunde im Finanzministerium, wie Staatssekretär Alfred Hartmann, ihre schützende Hand über den Verein halten. Diese dubiose Finanzierung war der Grund, warum Anzeigenkampagnen von mindestens 20 Millionen finanziert wurden, dem Finanzamt gegenüber aber nur 16 Millionen ausgewiesen werden.

Trotzdem bleibt die Geldbeschaffung das Hauptproblem des Vereins, weil dieser zu sehr vom Goodwill der Agentur Brose und den einzelnen Förderern abhängig ist. Spätestens ab 1961 steckt der Verein in einer Finanzkrise mit einem Defizit von mehr als 1,2 Millionen Mark, weil viele Förderer andere Wege der politischen Einflussnahme für effektiver halten.