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Vorsitzender Franz Greiss


Die Förderer der WAAGE stammen überwiegend aus der Chemieindustrie. Vorsitzender des WAAGE-Vereins ist Franz Greiß, gleichzeitig auch Gründer und Vorsitzender des BKU, Präsident der IHK Köln, Vorstandsmitglied des BDA, Aufsichtsratmitglied bei Ford und Geschäftsführender Direktor der Glanzstoff-Coutaulds AG Köln. Stellvertretender Vorsitzender ist der Bayer-Vorstand Fritz Jacobi. Zu den Gründungsmitgliedern zählt auch Max H. Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Zellstoff-Fabrik Waldhof AG und einer der einflussreichsten Männer der damaligen Chemieindustrie. Mit Philipp F. Reemtsma und Wolfgang Ritter sind zudem die erfolgreichsten deutschen Tabakunternehmer unter den Gründungsmitgliedern vertreten. Eine weitere interessante Figur ist der Generaldirektor der Rheinischen Energie AG (Rhenag) Fritz Burgbacher, der nicht nur in insgesamt 15 Aufsichtsräten sitzt, sondern zudem ab 1957 dem Bundestag angehört, 1960 zum Bundesschatzmeister //der CDU??// ernannt wird und als Spezialist für Steuerfragen- und Parteifinanzierung gilt. Siebtes Gründungsmitglied und Schatzmeister des Vereins wurde der Glasfabrikant Alphons Horten, der gleichzeitig diverse Verbindungen zur Chemieindustrie unterhält und als Finanzexperte für die CDU im Bundestag sitzt. Diese Zwitterrolle, zugleich Industrieller und Politiker zu sein, scheint für viele WAAGE-Mitglieder prototypisch. Dank dieser Doppelfunktion ergibt sich die Möglichkeit, direkt auf politische Entscheidungsprozesse im Sinne des Vereins Einfluss zu nehmen.

Insgesamt umfasst die Mitgliederliste der WAAGE im Gründungsjahr 14 „reine Chemiefirmen“ und drei Mischkonzerne mit starken Verbindungen zum Chemiesektor. Darunter heute immer noch bekannte Unternehmen, wie Kodak, Bosch, Siemens, Daimler Benz, Ford und Dr. Oetker. Nach der Höhe der Spendesumme zählen jedoch die damals größten Chemieunternehmen Bayer, BASF und Hoechst zu den wichtigsten Förderern. Unabhängig von rein wirtschaftlichen Interessen, sind sich diese drei ehemaligen IG Farben Nachfolger der Bedeutung von PR für den Unternehmenserfolg bewusst, da sie schon in den 30er Jahren engen Kontakt mit amerikanischen Firmen unterhielten und früh entsprechende Management- und PR-Modelle übernahmen. Die Manager der Chemieindustrie als einer stets von Innovationen lebenden und exportorientierten Branche haben die Zeichen der Zeit erkannt: Das Kartellmodell der IG Farben war ebenso veraltet wie verboten und wird durch liberale, marktwirtschaftliche Vorstellungen nach amerikanischem Vorbild ersetzt. Die Schwerindustrie, als der stärkste Wirtschaftszweig der jungen Bundesrepublik, hält jedoch zunächst an seinem tradierten Wirtschaftsverständnis von Marktabschottung durch Schutzzölle, Interessenausgleich und dem Versuch der Kartellbildung fest – auch sie soll mit Hilfe der WAAGE-Kampagne von einer freien und gleichzeitig sozialen Marktwirtschaft überzeugt werden.