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Nach dem Ende des 2. Weltkrieges ist es das erste Ziel aller politischen Kräfte, die Wirtschaft möglichst schnell wieder aufzubauen. Die bitteren Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise und die außerordentlich schwierige Wirtschaftslage begünstigen in der deutschen Bevölkerung und den neu gegründeten Parteien Forderungen nach einer staatlichen Planung und Lenkung der Wirtschaft sowie einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel in zentralen Wirtschaftsbereichen. Demgegenüber stehen Vorstellungen von Liberalisierung, Wettbewerb und einer, in Grundzügen von Alfred Müller-Armack entwickelten, Sozialen Marktwirtschaft. Die politische Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft ist auf den damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard zurückzuführen und erfolgt zunächst gegen den Willen der Bevölkerung und der Mehrheit der politischen Entscheidungsträger. Laut Studien des Instituts für Demoskopie in Allensbach (IfD) stehen die Deutschen Anfang der fünfziger Jahre einer freien Marktwirtschaft noch sehr kritisch gegenüber bzw. wissen mit dem Begriff nichts anzufangen. Die Überzeugungsmaßnahmen der CDU-Regierung sind eher spärlich und stoßen beim Bürger nicht auf Akzeptanz. Aus diesem Grund – und natürlich aus wirtschaftspolitischen Eigeninteressen – erkennt Anfang der 50er Jahre eine Reihe von Unternehmern die Notwendigkeit, gemeinsam und kontinuierlich Vertrauenswerbung für die Idee der Sozialen Marktwirtschaft und die dahinter stehende Regierung zu betreiben.

Im Spätsommer 1951 entsteht im Freundeskreis von Franz Greiß, dem damaligen Vorsitzenden des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), die Idee zur Gründung der WAAGE-Gemeinschaft. Die Gesellschaft für Gemeinschaftswerbung von Hanns W. Brose wird mit der Ausarbeitung eines detaillierten Konzeptes beauftragt und legt am 1. Dezember „Vorschläge für eine planvolle Beeinflussung der öffentlichen Meinung zugunsten einer Verbesserung des sozialen Klimas im Rahmen der freien Wirtschaft“ vor. Doch zur Realisierung des Projekts fehlen die Financiers aus der Unternehmerschaft ebenso wie die politische Rückendeckung. Im Mai 1952 werden daher „Werbe- und Bettelbriefe“ an deutsche Unternehmer mit der Unterschrift Ludwig Erhards versand, in denen dazu aufgefordert wird, eine „Aktion Soziale Marktwirtschaft“ mit zu begründen und zu finanzieren. Die Aktion soll den Zweck verfolgen, mit Zeitungsanzeigen, Plakaten und Filmen, ohne Polemik und frei von politischen Aggressionen für die Grundsätze, Handlungszusammenhänge und Erfolge der westdeutschen Wirtschaftsordnung zu werben. Bereits im September hat man feste Zusagen in Höhe von 1,2 Millionen DM, weitere 800.000 waren gezeichnet. Als Konsequenz wird am 23. September 1952 „DIE WAAGE. Gemeinschaft zu Förderung des sozialen Ausgleichs e.V.“ gegründet. Damit ist der Grundstein für eine der ersten und auf Jahre hinaus größten Public Relations Kampagnen in Deutschland gelegt.