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Gründungsmythos und Wirtschaftswunder der Bundesrepublik Deutschland sind untrennbar verbunden mit dem Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft. Aus heutiger Perspektive erscheint es schwer vorstellbar, dass es einmal Zweifel an dem Erfolg und der Richtigkeit dieser Wirtschaftsordnung gab. Doch Anfang der 50er Jahre steht die Mehrheit der Bevölkerung der Sozialen Marktwirtschaft unwissend und kritisch gegenüber – planwirtschaftliche Modelle stehen hoch im Kurs. Vor diesem Hintergrund gründet 1952 eine Gruppe von führenden Unternehmern den Verein „DIE WAAGE. Gemeinschaft zur Förderung des sozialen Ausgleichs e.V.“. Sein Ziel: kontinuierliche Vertrauenswerbung für die Idee der Sozialen Marktwirtschaft betreiben. In dem Verein organisieren sich vor allem die Chemiebranche und davon abhängige Unternehmen, die ein ureigenes Interesse an der Durchsetzung dieser Wirtschaftsform haben. In Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur wird eine langfristige Kampagne entwickelt, die eine breite Bevölkerungsgruppe von den Vorteilen der Sozialen Marktwirtschaft überzeugen soll. Mit Mitteln bzw. Instrumenten moderner Wirtschaftswerbung, wie Plakat, Anzeige und Film, greift die Kampagne eine breite Themenpalette auf und setzt Maßstäbe in Konzeption und Gestaltung.

Für die PR-Geschichte ist die WAAGE-Kampagne bedeutsam, weil sie als eine der ersten und mit einer Laufzeit von 13 Jahren auch als eine der längsten PR-Kampagnen in Deutschland überhaupt gilt. Im Vergleich zu anderen Kampagnen der damaligen Zeit besticht sie durch Professionalität, Kontinuität und nicht zuletzt durch ihren Erfolg: So ist zumindest wahrscheinlich, dass sie zum Gründungsmythos der Bundesrepublik und der positiven Besetzung der Sozialen Marktwirtschaft beigetragen hat. Innovativ ist zudem der moderne Begriff von Öffentlichkeit bzw. Öffentlichkeitsarbeit der WAAGE-Macher, die mit ihrer Kommunikation auf Integration, Schaffung von Identität, Akzeptanz und Belehrung abzielen. Es herrscht die Überzeugung, dass nur mit und nicht gegen die öffentliche Meinung Beeinflussung möglich sei. Auch hinsichtlich der Entwicklung neuer Werbemittel und -wege kann die WAAGE als Pionier moderner Politwerbung gelten. „Von ihrer Existenz, Präsenz und Wirkung her bietet die WAAGE das Bild eines Kometen, dessen Feuerball Ende 1952 hell aufstrahlte, um mit einem stets dünner werdenden Schweif Mitte der sechziger Jahre zu verlöschen.“ (Schindelbeck/Ilgen, „Haste was, biste was“, 1999)