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Die Geschichte des Literarischen Büros lässt sich über beinahe acht Jahrzehnte zusammenfassen. Über die Relevanz und Notwendigkeit dieser Institution lässt sich streiten. Je länger das Literarische Büro besteht, desto weniger Bedeutung wird ihm beigemessen. Mit ständigen Namensänderungen, Veränderungen seiner Aufgaben und Tätigkeiten, Neu- und Umstrukturierungen versucht man im Laufe der Geschichte dem Literarischen Büro einen höheren Rang und Stellenwert zukommen zu lassen.

Die Zeit vor 1848 ist von Zensur, Säuberungsmaßnahmen, Zeitungsverboten, Sondersteuern und Gefängnisstrafen für Herausgeber sowie Redakteure gekennzeichnet. Dies zeigt die strenge Überwachung der Presse zur damaligen Zeit. Nach dem Scheitern des Ministerial-Zeitungsbüros 1848 nach nur sieben Jahren seiner Existenz, ruft man im selben Jahr das Literarische Kabinett ins Leben. Dessen zentrale Aufgabe: Zeitungen auswerten. Unterstellt ist das Büro dem Minister des Innern. 1851 folgt die erste Umbenennung in Centralstelle für Preßangelegenheiten. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg wirkt die Centralstelle im Sinne der Regierung auf die Inhalte der Zeitungen ein. Prägend für diese Phase ist der Versuch der Steuerung durch Bestechung und Subvention der Presse. 1862 wird die Centralstelle für Preßangelegenheiten in das Literarische Büro umgewandelt. Parallel dazu richtet 1871 die neue Reichsregierung ein eigenes Pressdezernat mit geringen Kompetenzen im Auswärtigen Amt ein. Das Literarische Büro nimmt daraufhin zunächst weiterhin nur preußische Angelegenheiten wahr, später vergrößert sich der Aufgabenbereich, dass es auch Weisungen der Reichskanzlei entgegennimmt. Das Jahr 1894 bedeutet für das Literatische Büro einen großen Bruch: Leo Graf von Caprivi wird Nachfolger Bismarcks als Reichskanzler und Otto Hammann wurde Leiter der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes. Danach entwickelt sich das Auswärtige Amt entwickelt sich zur größten Konkurrenz des Literatischen Büros. Hammanns Aufgabe ist es, für eine zentrale Pressepolitik der Regierung zu sorgen. Er baut die Pressestelle des Auswärtigen Amtes so stark aus, dass sie für die Presse zur einzigen offiziellen Informationsquelle wird. Über Hammanns Büro laufen von da an die gesamten offiziellen Beziehungen zur Presse. Das Literarische Büro sieht sich damit zentraler Kompetenzen beraubt. Kaum jemand kooperiert noch mit der Behörde.

Dagegen entsteht das „System Hamann“: Hamann versorgt regierungsfreundliche Journalisten mit Informationen, kritische oder gar gegnerische Pressevertreter werden dagegen mit mageren Auskünften von Hilfskräften abgespeist. Als Nebeneffekt der Zentralisierung der Pressearbeit durch die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes ergibt sich, dass der Reichskanzler keinen direkten Zugriff mehr auf Informationen hat, sondern abhängig ist vom Auswärtigen Amt. Diese Abhängigkeit stößt in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts zunehmend auf Kritik, so dass im Vorfeld des ersten Weltkriegs die staatliche Pressepolitik wieder neu geordnet werden und das Pressereferat der alleinigen Zuständigkeit des Auswärtigen Amtes entzogen werden sollte. Dies geschieht nicht, weil Hammann am 27. Dezember 1916 das Feld räumt, da er angeblich seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen sei. Schon seit Oktober 1915 übt das neue Kriegspresseamt eine strenge Zensur der Presse aus. Zwei Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs wird dann auch das bis dahin faktisch noch bestehende Literarische Büro aufgelöst.