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Seit 1871 sieht sich das Literarische Büro interner Konkurrenz gegenüber. Es reagiert auf diese Konkurrenz mit zahlreichen Reorganisationen, sieht sich aber insgesamt in der Defensive. Aufgrund dieser defensiven Haltung etwa gegenüber anderen neu gegründeten Pressdezernaten einzelner Ministerien verliert das Büro seine privilegierte Stellung als als einziger Nachrichtenkanal der Regierung. 1882 erfolgt der erste Versuch zur Reorganisation und Umgestaltung der Pressearbeit. Um wieder verstärkt Einfluss auf die Provinzial-Presse zu gewinnen, produziert das Büro die Beilage Neueste Mittheilungen, die die Zeitungsleser direkt ansprechen sollte. Nach zwei Jahren wird sie aber ebenso eingestellt wie die offiziellen Korrespondenzen an die Redaktionen. Hauptsächlich berichtet das Literarische Büro fortan nur noch nach innen. 1894 wird erneut reorganisiert: Die Berliner Correspondenz, eine Neu-Auflage der Neuesten Mittheilungen, wird als offizielle Korrespondenz unter dem neuen Namen an große und kleine Zeitungen unentgeltlich verschickt. An der geschwächten Stellung des Büros ändert dies aber wenig. Eine dritte und letzte Reorganisation im Jahr 1898 hat drei Konsequenzen:

 

1. unmittelbare Vertretung der Regierungsansichten durch die Presse („Provinzial-Correspondenz);

 

2. mittelbare Beeinflussung der Presse im Sinne der Regierungsansichten, in kleinen wie großen Zeitungen („Neueste Mittheilungen“);

 

3. Verbreitung von Flugblättern.

 

Auch dieser letzte Versuch einer effektiven Reorganisation bringt keine Fortschritte. Zwar liefert das Ministerium des Innern Material an die Presse, jedoch ist nicht erkennbar, ob dies vom Literarischen Büro ausging. Auch eine Beteiligung des Büros an den Deutschen Kriegsnachrichten lässt sich nicht nachweisen. Da die Behörde nur noch eine spärliche Versorgung mit Zeitungsausschnitten liefert und sich die politischen Verhältnisse im Zuge der Demokratisierung nach Kriegsende nachhaltig ändern wird sie am 8. März 1920 aufgelöst.