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Die Märzrevolution von 1848 verändert die Situation völlig. Die Frankfurter Nationalversammlung proklamiert in ihren „Deutschen Grundrechten“ die Pressefreiheit, die später Eingang in die Reichsverfassung findet. Während der Revolution entsteht eine mehr oder weniger pluralistische Presselandschaft. Es kommt in der preußischen Presselandschaft zu zahlreichen Zeitungsneugründungen, die den Ideen der bürgerlichen Revolution zum Durchbruch verhelfen. Neue Zeitungen nehmen von links bis rechts Einfluss auf das politische Zeitgeschehen. Als Reaktion darauf wird im Sommer 1848 wird das Literarische Kabinett gegründet, eine Institution, die dem Staatsministerium des Innern unterstellt ist. Eine der Aufgaben des Literarischen Kabinetts ist es, möglichst unauffällig die Regierungsmeinung über die Presse in der Öffentlichkeit zu lancieren. Hauptmittel der damaligen Pressepolitik, waren Subventionen für Journalisten, sowie kostenlos erhältliche Correspondenzen (Abdrucke) der neusten Regierungsmeldungen. Auch nach der Umbenennung und Reorganisation der Behörde, die von 1851 Centralstelle für Preßangelegenheiten heißt, bestehen die Haupttätigkeiten des Büros in der Beobachtung der Presse und der versuchten Presselenkung. Ein wichtiges Steuerinstrument ist vor allem die Sonntags-Correspondenz, das Redaktionen angeboten und von diesen nachgefragt wird, da ihnen häufig finanzielle Mittel fehlen, um eigene Nachrichten aus der Fremde einzuholen. Am 8. Februar 1860 wird die Behörde erneut umbenannt und umstrukturiert. Von nun an heißt sie bis zu ihrer Auflösung im März 1920 Literarisches Bureau des Königlichen Staatsministerium.

Mit der Regierungsübernahme in Preußen durch den ehemaligen Journalisten Bismarck wird die Presse wieder strenger kontrolliert. Bismarck greift durch und entzieht sogar Lizenzen. Das Literarische Büro wird u.a. von Geheimrath Ludwig Hahn geleitet. Hahn führt das System des Waschzettels ein. Ziel des Waschzettels ist die Verbesserung der internen Kommunikation auf breiter Basis, und das Sammeln von Informationen für die Correspondenzen. Das System besteht darin, dass täglich ein Mitglied des Literarischen Büros bei den verschiedenen Lektoren der einzelnen Ministerien Mitteilungen, Anfragen und Erwiderungen einholt und diese an die eigenen Literaten zur freien Ausformulierung weiterleitet, bevor diese später an die Zeitungen gehen. Während des preußisch-österreichischen Krieges (1866) erhält das Büro die Aufgabe, die amtlichen Nachrichten vom Kriegsschauplatz herauszugeben. Ziel dieser Maßnahme ist eine Zentralisierung und damit Beherrschung des Nachrichtenflusses. So soll u.a. sichergestellt werden, dass nur Nachrichten verbreitet werden, die die Einstellung des Volkes nicht negativ beeinflussen. Das Literarische Büro arbeitet zu dieser Zeit eng mit dem Wolffschen Telegraphenbüro zusammen.