Home > Organisationen > Krupp > Das Pressebüro >  Zusatzinformationen

Am 27. November 1866 schreibt Alfred Krupp an Albert Pieper, einen seiner Prokuristen: „Ich glaube daher, daß es jetzt Zeit ist, zu verlassen, daß regelmäßig wiederholt aus der Feder von Autoritäten wahrheitsgetreue Berichte über die Fabrik durch Zeitungen, welche die ganze Welt erleuchten, verbreitet werden. Wir können das Material dazu liefern und wofern wir nicht die geeigneten Autoritäten dazu bereit finden, möchten wir uns selbst mit den respektablen Zeitungsredaktionen in Verbindung setzen.“ 1870 fehlt immer noch der „Literat“, der die internationale Presse beobachten und analysieren sollte ebenso wie selbst Informationen für die internationalen Zeitungen produzieren. Ein Berliner Journalist, Josef Grünstein von der Redaktion der „Berliner Börsenzeitung“ wurde gefunden und arbeitet wohl ab 1870 für Krupp, dem er direkt unterstand.

Erst 1890 wird unter Friedrich Alfred Krupp ein „Nachrichten-Bureau“ gegründet, vor allem, um eine bessere Kommunikation mit dem Außendienst einzurichten, als eine Art Nachrichtendienst. Für Krupp tätige Vertreter sollen nicht nur Aufträge akquirieren, sondern gleichzeitig Pressebeobachtungen in ihrem Tätigkeitsland durchführen. Diese Berichte dienen einerseits der Konkurrenzbeobachtung, andererseits auch der Pflege der Beziehungen zu (potenziellen) Abnehmern der Kruppschen Erzeugnisse.

Dass sich das Arbeitsfeld des Pressebüros erweitert, liegt am gestiegenen Interesse der Öffentlichkeit an den Geschäften von Krupp und der zunehmenden Skepsis gegenüber dem ungebremsten Wachstum der Firma. Nach heutiger Quellenlage ist die Firma Krupp das erste privatwirtschaftliche Unternehmen in Deutschland, das für den Umgang mit der Öffentlichkeit eine eigene Abteilung einrichtet. 1901 erscheint das Pressebüro erstmals im Organigramm des Unternehmens.

Das Pressebüro entwickelt sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Journalisten. Die Mitarbeiter sorgen zum Beispiel dafür, dass in der Fachpresse nichts mehr veröffentlicht wird, was nicht mit den Unternehmensinteressen konform geht. Journalisten, die für militärische Fachzeitschriften schreiben, lassen ihre Texte über Krupp im Nachrichten-Bureau redigieren. Gleichzeitig werden Fachautoren dafür verdingt, um an geheime Informationen über Konkurrenten und Regierungspläne zu gelangen.

Um Journalisten willfährig zu machen, zahlt man auch finanzielle Zuwendungen an Journalisten und Verlage, aus heutiger Sicht ein klar unethisches Verhalten. Zur Jahrhundertwende erscheint in den für Krupp relevanten Fachzeitschriften im Grunde nichts mehr, das nicht in irgendeiner Form mit der Firma abgesprochen und in ihrem Sinne ist. Das Pressebüro wird zu der Abteilung, in der die Kommunikation der Firma mit der Öffentlichkeit zusammenläuft und gesteuert wird.

Den Mitarbeitern des Nachrichtenbüros fallen unterdessen noch weitere Aufgaben zu: sie bereiten Präsentationen der Firma auf Ausstellungen und Messen vor und erstellen Broschüren mit Statistischen Angaben zur Beschreibung der Firma.

Während bei der Einrichtung des Nachrichtenbüros im Jahr 1890 nur vier Mitarbeiter mit der Umweltkontrolle beschäftigt waren, sind es 1911 schon 45 Mitarbeiter, ein Beleg dafür, welchen Bedeutungszuwachs die Abteilung innerhalb von 21 Jahren erfährt.