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Alfred Krupp führt das Unternehmen und seine Arbeiter mit patriarchalisch-fürsorglicher Hand und immer mit dem Anspruch, den besten Stahl herzustellen und die rationellsten Fertigungsmethoden zu entwickeln. Getrieben von diesem Ehrgeiz und der ständigen Weiterentwicklung und Optimierung der Produkte, wächst die Beschäftigtenzahl mit dem Aufschwung Mitte des 19. Jahrhunderts enorm an.

Aufgrund der rasant zunehmenden Beschäftigtenzahlen im Unternehmen stellt Alfred Krupp schon früh die Überlegung zu einer internen Öffentlichkeitsarbeit an. In Zeiten der Arbeiterbewegung und der Generalstreiks erkannt er, dass ein produktives und stabiles Unternehmen nur dann Bestand haben kann, wenn es - im Jargon der Zeit – von innen her gesund und gefestigt sowie seine Arbeiter zufrieden sind. Um die Zufriedenheit seiner Beschäftigten auch in materieller Hinsicht, zu sichern, verfasst Krupp 1872 ein „Generalregulativ“, welches an alle Arbeiter ausgeteilt wird. Darin werden Pflichten und Rechte eines jeden Kruppianers, wie die Arbeiter Krupps genannt werden, penibel beschrieben und festgelegt. Das Miteinander sollt auf gegenseitiger Treue, Vertrauen und Loyalität zwischen Arbeitern und Unternehmen beruhen. Die den Arbeitern auferlegten Pflichten sind streng, ihre Privilegien allerdings weitreichend. Sie erhalten billige Wohnungen und können ein Krankenhaus, eine Zahnklinik, Erholungshäuser und einen Altenhof nutzen. Es gibt eine firmeneigene Pensions-, Witwen- und Waisenkasse. Eine Hilfskrankenkasse wird bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Wer zeit seines Lebens bei Krupp arbeitet, bekommt sogar eine Rente ausgezahlt, eine zu dem Zeitpunkt einzigartige Maßnahme in Deutschland. Diese Maßnahme gilt als erste Betriebsrente. Bei vorzeitiger Entlassung verlieren die Arbeiter jedoch diese Privilegien. Alfred Krupp ist damit auf dem Gebiet der sozialen Absicherung für seine Zeit sehr fortschrittlich. Die Sozialgesetzgebung von Otto von Bismarck orientiert sich weitgehend am Kruppschen Generalregulativ.

Allerdings ist Krupp auch ein gewiefter Taktiker und keineswegs uneigennützig: Eine wichtige Motivation für diese Maßnahmen besteht in der Furcht vor sozialdemokratischen Agitationen und der Bedrohung durch ein immer selbstbewusster werdendes Proletariat. Mithilfe des Generalregulativs versucht Alfred Krupp seine Arbeiterschaft sowohl zu kontrollieren und zu lenken, als auch zu entpolitisieren und von der Außenwelt abzuschotten.