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Propagandainhalt einer Zeitschrift


Beispiele dafür, dass moderne Formen der internen Kommunikation, auf eine recht lange Geschichte zurückblicken, sind Legion. Mitarbeiterzeitschriften zählen dazu. Aus dem ersten Weltkrieg ist bekannt, dass zahlreiche Betriebe die Kommunikation mit ihren an der Front kämpfenden Mitarbeitern aufrechterhielten. Ihr Instrument: die betriebliche Kriegszeitschrift.

Die Frage, ob es sich bei den im Ersten Weltkrieg herausgegebenen betrieblichen Kriegszeitschriften um PR- oder eher um Propaganda-Instrumente handelt, ist nicht mit einer klaren Entscheidung für eine der beiden Formen zu beantworten. Für die Unternehmen stellen die betrieblichen Kriegszeitschriften, wie zum Beispiel die „Kriegs-Beilage der Hanomag-Nachrichten“ oder die „Leibniz-Feldpost“ ein wichtiges Mittel dar, um die Kommunikation zwischen den Angestellten an der Front, die eine PR-typische Teilöffentlichkeit darstellten und jenen in den Heimatbetrieben aufrecht zu erhalten. Schwerpunkte sehen die Herausgeber in der „vaterländischen“ wie betrieblichen Sinnstiftung und dem Bemühen, sich die Loyalität der zur so genannten „Betriebsfamilie“ gehörenden Angestellten weiterhin zu sichern. Die Fabrik sollte als „Heimat“ und soziales Umfeld vermittelt werden. Die Vermittlung des Geschehens erfolgt jedoch immer aus Sicht des jeweiligen Betriebes, woraus sich Unterschiede in der Gewichtung, Präsentation und Vermittlung der Themen ergeben.

Zwei weitere betriebliche Kriegszeitschriften sind das „Continental Kriegs-Echo“ und „Der Kleine Pelikan“, wobei letzterer schon in der Wahl des Titels eine Ausnahme darstellt. Alle hier genannten Zeitschriften ersetzen entweder ihre Vorgänger aus Friedenszeiten oder erscheinen zumindest parallel zu ihnen, wie das „Continental Kriegs-Echo“, das gleichzeitig mit dem „Echo Continental“ erscheint.

Einen wichtigen Aspekt für die herausgebenden Unternehmen stellt deren wirtschaftliche Situation vor Beginn des Krieges dar. So lässt sich von allen vier Unternehmen, Hanomag, Continental AG, Pelikan-Werke und Hermann Bahlsens Keksfabrik, sagen, dass sie sich auf ihrem wirtschaftlichen Höhepunkt befinden. Diese herausgehobene Stellung begründet auch ihr nationales wie internationales Ansehen. Unterstützt werden die Betriebe in der Herausgabe der betrieblichen Kriegszeitschriften auch durch das Militär. Dort setzt man auf die „psychologische“ Wirkung der Zeitschriften. Die militärische Führung wusste um die moralische Unterstützung und die Vermittlung des Heimatgefühls, die von ihnen ausging.

Die betrieblichen Kriegszeitschriften des Ersten Weltkrieges erfüllen damit eindeutig PR-Funktionen, enthalten jedoch auch propagandistische Elemente. Die Unternehmen versuchten, die Teilöffentlichkeit der Arbeitnehmer und/oder Beamten mit kommunikativen Mitteln von den betrieblichen Interessen zu überzeugen und sie in ihrer Haltung gegenüber den Firmen positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig sollten aber auch der nationale Gedanke und der nationale Zusammenhalt gestärkt werden. Dazu benutzt man auch die existierenden Feindbilder.

 

Felix Kurtze

 

in: Heise, Joachim S.: Für Firma, Gott und Vaterland: Betriebliche Kriegszeitschriften im Ersten Weltkrieg: Das Beispiel Hannover. Hannover. Hahn 2000