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Staatliche Pressepolitik umfasst alle Maßnahmen, die ein Staat zur Beeinflussung der Presse unternimmt. Weit gefasst fallen darunter neben wahrheitsgetreuen Informationsleistungen auch manipulative Desinformationen. Die Presse als Gesamtheit der drucktechnisch wiedergegebenen, entweder periodischen oder einmaligen Ausgaben von Presserzeugnissen, ist das erste Medium, das Informationen, Meinungen, sowie Belehrung und Unterhaltung an eine prinzipiell unbegrenzte Öffentlichkeit vermittelt. Es ist nahe liegend, dass in Gesellschaften, die nur in Maßen demokratisch organisiert sind, die Presse häufig als Sprachrohr der Politik dient. Um die im 19. Jahrhundert expandierende Presse zu lenken, werden staatliche Behörden gegründet. So geht das heutige Bundespresse- und Informationsamt (BPA) auf zahlreiche Vorläuferorganisationen zurück, deren Hauptaufgabe die Lenkung und Verhinderung von Informationen war. Hierzu wird 1841 das Ministerial-Zeitungsbüro gegründet, das 1848 vom Literarischen Kabinett abgelöst wird. Das Literarische Kabinett kümmert sich hauptsächlich um drei Aufgaben staatlicher Pressepolitik:

1. Organisation sowie Koordination der finanziellen staatlichen Presse-Subventionen,

2. Informationsbeschaffung über den Zustand der Presse im In- und Ausland,

3. Propaganda.

Vor allem in Kriegszeiten ist die Presse der Propaganda staatlicher Pressearbeit ausgesetzt und wird als Mittel zum Zweck betrachtet. Dies zeigt sich z.B. im Ersten Weltkrieg, indem die Reichsregierung die Presse für ihre Politik zur Manipulation der Bevölkerung nutzt. „Der offiziöse Presseapparat war so verschachtelt, dass man im Ausland schließlich glaubte, keine Meldung in der Presse sei ohne die Direktiven der preußischen Regierung zustande gekommen. Dies war das Ergebnis einer Pressepolitik, die sich vieler Instrumente bediente: Korrespondenzen, Subventionen oder Bezahlung von Schriftstellern“ (Nöth-Greis 1997, 1).